The Other Austria

Schneegipfel? Nicht hier. Genau darum geht es.

Wer an Österreich denkt, sieht oft Tirol: helle Gipfel, Seilbahnen, Schigebiete in engen Tälern. Die Weststeiermark ist das andere Österreich. Das Land steigt nicht schroff auf, sondern rollt in grünen Rücken. Eichen- und Föhrenwald bedeckt die steileren Hänge. Auf den südseitigen Lagen wachsen Reben. Dazwischen liegen Kürbisfelder, Wiesen und kleine Höfe.

Es ist wärmer als in den Alpen, weicher und deutlich weniger bereist. Die Koralpe ist ein alter Gebirgszug zwischen Steiermark und Kärnten, über Jahrmillionen abgerundet, dunkel bewaldet, ohne Gletscher und ohne Pathos. Man kommt nicht hierher, um etwas zu bezwingen. Man kommt, um langsamer zu werden.

Die Geografie in einfachen Worten

Die Weststeiermark, oft Schilcherland genannt, liegt im Südwesten Österreichs. Im Norden liegt Graz, etwa zwanzig Minuten mit dem Auto von der Mosthütte entfernt. Im Westen steigt die Koralpe an. Im Süden beginnt ein Weinland, das bis an die slowenische Grenze reicht.

Die Mosthütte liegt auf 473 Metern, am Fuß der Koralpe, an jener Straße, die hier Schilcherstraße heißt. Zehn Minuten ostwärts wird das Land breiter und landwirtschaftlicher. Zehn Minuten bergauf steht man im dichten Wald. Weiter südlich werden die Weingärten steiler; dort beginnt die Südsteirische Weinstraße, eine eigene Region für einen eigenen Ausflug.

Zwei Dinge, die diesen Ort unverwechselbar machen

Schilcher

Schilcher ist ein Rosé aus der Blauen Wildbacher-Traube. Die Sorte ist alt, spätreifend und eigenwillig. Außerhalb dieser Hügel wird sie selten überzeugend. Hier ergibt sie einen hellen bis kräftig rosafarbenen, trockenen Wein mit klarer Säure. Man findet ihn kaum in internationalen Weinregalen. Man trinkt ihn am besten dort, wo er entsteht.

Der richtige Ort dafür ist ein Buschenschank: ein Hof, der eigenen Wein ausschenkt und kalte Speisen aus eigener Erzeugung serviert. Ein Viertel Schilcher, eine Brettljause, ein Tisch mit Blick über die Hänge; das ist keine Nebensache, sondern eine der einfachen Stärken dieser Region.

Siehe auch: Der Buschenschank Guide und Was ist Schilcher?

Steirisches Kürbiskernöl

Das zweite Produkt, das die Region sofort verortet, ist Steirisches Kürbiskernöl. Es wird aus den Kernen des steirischen Ölkürbisses gewonnen, geröstet und gepresst, dunkelgrün, nussig und geografisch geschützt. Man gibt es auf Käse, Salat, Bohnen und Kürbiscremesuppe. Es ist kein Ersatz für Olivenöl. Es ist etwas Eigenes.

Graz: zwanzig Minuten vom Wald

Graz ist nicht weit weg, sondern wirklich nah. Die Altstadt ist UNESCO-Welterbe, der Schlossberg steht mitten in der Stadt, und am Kaiser-Josef-Platz findet fast täglich ein Bauernmarkt statt. Dort verkaufen Käsereien, Gärtnerinnen, Bäcker, Buschenschank-Betriebe und Ölproduzenten aus der Umgebung.

Graz hat Oper, Universitäten, eine lebendige Designszene und einen Flughafen mit Direktverbindungen aus mehreren europäischen Städten. Wer landet, ist in weniger als dreißig Minuten im Grünen.

Die Jahreszeiten

Frühling

Im April und Mai kommen die Wiesen in Etappen in Blüte. Die Wälder sind kurz voller Frühlingsblumen, bevor das Laubdach schließt. Die Buschenschänke öffnen wieder, die Abende bleiben kühl genug für den Ofen.

Sommer

Juni bis August sind die vollsten Monate. Buschenschänke, Wanderwege, Badeseen und die Innenhöfe von Graz sind offen. Nachmittags kann ein Gewitter aus dem Süden kommen; meist zieht es rasch weiter.

Herbst

September und Oktober sind oft die beste Zeit. Die Lese beginnt, Schilchersturm kommt auf die Tische, Kastanienstände stehen an den Straßen, der Wald färbt sich kupfer und bronze. Unter der Woche ist die Stimmung dieselbe, nur mit weniger Verkehr.

Winter

Viele Buschenschänke schließen oder öffnen nur an bestimmten Wochenenden. Der Wald wird stiller und dunkler. Graz hat im Dezember Weihnachtsmärkte, im Jänner und Februar einen ruhigeren, lokalen Rhythmus. Es ist eine gute Zeit für Waldwege, Holzofen und Gasthäuser.

Warum Weststeiermark statt Alpen

Die Alpen sind dramatischer. Sie haben höhere Berge, bessere Schigebiete und mehr touristische Infrastruktur. Sie sind auch teurer, voller und näher an dem Bild, das viele ohnehin von Österreich haben.

Die Weststeiermark ist weniger erwartet. Gäste beschreiben sie meist mit denselben Worten: ruhig, grün, konkret. Essen und Trinken kommen oft aus wenigen Kilometern Entfernung. Die Berge sind alt, bewaldet und rund. Der Takt kommt von Höfen und Jahreszeiten, nicht von Liftanlagen.

Wer die Postkarte sucht, findet sie anderswo. Wer das andere Österreich sucht, ist hier richtig.


Siehe auch: Der Buschenschank Guide, Tagesausflüge, Die Schilcherstraße und Zu Fuß zu den Weingütern in Gundersdorf.